Erkrankungen

Einleitung

Bekannte Lungenkrankheiten sind die Lungenentzündung, die von Bakterien oder Viren hervorgerufen werden kann, und die Tuberkulose. Viel häufiger ist aber heute der Lungenkrebs, der vor allem wegen des Rauchens zu einer der wichtigsten Todesursachen in den Industrieländern geworden ist. Rauchen trägt auch erheblich zur chronischen (langsam verlaufende) Bronchitis (Schleimhautenzündung in der Bronchie) und zum Emphysem bei. Die letztere Krankheit führt zur allmählichen Zerstörung der Lungenbläschen. Asthma, eine gefährliche Verengung der Bronchien, kann durch Überempfindlichkeit gegen Naturstoffe wie Pollen oder gegen Industriechemikalien entstehen. Die Ursache der Fibrose, einer Vernarbung des Lungengewebes, ist Kontakt mit Materialien wie Baumwollstaub, Kohlenstaub oder Asbest.

Lungenentzündung

Pneumonie, Sammelbezeichnung für etwa 50 Lungenkrankheiten, bei denen ein zäher Auswurf abgesondert wird. Lungenentzündung kann von Bakterien, Viren, Mycoplasmen (kleinste Bakterien ohne Zellwand), Pilzen oder Protozoen hervorgerufen werden, aber auch durch Verätzungen, z. B. wenn Erbrochenes in die Atemwege gelangt.

Bevor es Antibiotika gab, war die Lobärpneumonie, eine akute(unvermittelt auftrettende, heftig verlaufende) Infektion, die häufigste Todesursache bei Erwachsenen. Der zu den Pneumokokken zählende Erreger ist ein Bakterium mit dem wissenschaftlichen Namen "Streptococcus pneumoniae". Lobärpneumonie tritt häufig im Winter auf, insbesondere nach einer Virusinfektion der oberen Atemwege. Zu den Symptomen gehören ein einmaliger, starker Schüttelfrost, gefolgt von Fieber bis zu 40 °C, Brustschmerzen beim Atmen, Husten und blutiger Auswurf. Die Erreger befallen in der Regel einen ganzen Lungenlappen oder Teile davon. Bei der beidseitigen Pneumonie sind beide Lungenflügel betroffen.

Durch sofortige Behandlung mit Penicillin verschwindet diese Pneumonie innerhalb weniger Tage. 1977 wurde ein Impfstoff zugelassen, der gegen die aggressivsten Formen der Pneumokokken immun macht. Er wird heute vor allem bei Personen über 50 Jahren sowie bei Patienten mit chronischen (langsam verlaufende) Herz-, Lungen- oder Leberkrankheiten angewandt.

Die wichtigste andere Form der bakteriellen Lungenentzündung ist die "Bronchopneumonie", die im Gegensatz zur Lobärpneumonie die Lungenbereiche in der Nähe der Bronchiolen (kleiner Verästelungen der Bronchien) in Mitleidenschaft zieht. Die Erreger sind manchmal ebenfalls Pneumokokken, aber die Krankheit kann auch von der verschiedenen Bakterien Klebsiella pneumoniae, Haemophilus influenzae sowie verschiedenen Staphylokokken und Streptokokken hervorgerufen werden. Die Bronchopneumonie bricht weniger plötzlich aus als die Lobärpneumonie, und das Fieber steigt nicht so hoch. Eine weitere Form der bakteriellen Lungenentzündung entdeckte man 1976: Diese Krankheit, die von Legionella pneumophilia hervorgerufen wird, nennt man Legionärskrankheit. Die meisten Formen der bakteriellen Lungenentzündung sind mit Antibiotika gut zu behandeln.

Viruspneumonie

Viele verschiedene Viren können ebenfalls eine Lungenentzündung auslösen, so die Erreger von Infektionen der oberen Atemwege wie Influenzaviren, Adenoviren und Rhinoviren. Wenn heute eine Lungenentzündung auftritt, ist meist ein Virus die Ursache. Diese Erkrankungen nehmen meist einen weniger schweren Verlauf und verschwinden von selbst, ohne dass eine gezielte Behandlung notwendig wäre.

Mycoplasmenpneumonie

Eine häufige Form der Lungenentzündung wird von Mycoplasma pneumoniae hervorgerufen, einem winzigen Prokaryonten (d. h. einem Einzeller ohne abgegrenzten Zellkern). In epidemischer Form tritt eine Mycoplasmenpneumonie gelegentlich in Schulen und Kasernen auf. Die Krankheit heilt in der Regel von selbst, aber man kann die Genesung mit Antibiotika unterstützen.

Pneumocystis-carinii-Pneumonie

Eine Lungenentzündung, die von dem normalerweise harmlosen Protozoen Pneumocystis carinii hervorgerufen wird, ist die häufigste Todesursache bei Patienten mit Aids; außerdem kommt sie im Zusammenhang mit Leukämie und anderen Immunstörungen vor.

 

Tuberkulose

Chronische (langsam verlaufende) oder akute (unvermittelt auftrettende, heftig verlaufende) Infektionskrankheit, die durch die Bakterienart Mycobacterium tuberculosis verursacht wird. Tuberkulose kann jedes Körpergewebe befallen, meist ist jedoch die Lunge betroffen. Der Name leitet sich von dem Begriff Tuberkel ab. Dies sind kleine Zellgebilde, in denen der Körper die Mykobakterien einkapselt. Bei frei lebenden Tieren ist diese Erkrankung selten, sie kommt jedoch durchaus bei Haustieren wie Rindern, Schweinen und Geflügel vor. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 1998 sterben jährlich mehr als drei Millionen Menschen an Tuberkulose. Für Jugendliche und Erwachsene ist Tuberkulose die gefährlichste Infektionskrankheit. In Deutschland wurden 1996 fast 12 000 neue Tb-Fälle registriert, etwa 900 Menschen starben an Tuberkulose.

 

Geschichtlicher Hintergrund

Anfang des 19. Jahrhunderts beschrieben die französischen Ärzte Gaspard Laurent Bayle und René Laënnec die Formen und Stadien des Krankheitsbildes Tuberkulose; beide starben an dieser Krankheit. Im Jahr 1874 richtete der amerikanische Arzt Edward Livingston, der ebenfalls an Tuberkulose litt, in Saranac Lake im Bundesstaat New York das Trudeau Laboratory ein. Diese Heilanstalt wurde zum Vorbild für Tuberkulosesanatorien. Kuren in solchen Sanatorien stellten viele Jahre lang die Hauptbehandlungsmöglichkeit bei Tb dar. Der deutsche Mikrobiologe Robert Koch entdeckte 1882 den Krankheitserreger, den Tuberkelbazillus, und entwickelte 1890 den Tuberkulintest zur Diagnose der Erkrankung. 1924 entwickelten die französischen Bakteriologen Albert Léon Calmette und Alphonse F. M.Guérin den so genannten BCG-Impfstoff (Bacille-Calmette-Guérin) für tuberkulosegefährdete Personen.

Das erste spezifische Tuberkulosemedikament wurde 1944 verfügbar, als der amerikanische Mikrobiologe Selman Abraham Waksman das Antibiotikum Streptomycin entdeckte. Dieser Errungenschaft folgte 1948 die Entwicklung von PAS (Para-Aminosalicylsäure) und später von Isoniazid und anderen Arzneimitteln, welche die Tuberkulosebehandlung revolutionierten. Immer mehr AIDS-Patienten erkranken an Tuberkulose: Für HIV-Infizierte ist das Risiko, an aktiver Tuberkulose zu erkranken, 30-mal höher als für gesunde Menschen. Es gibt mittlerweile Tuberkelbazillen, die gegen medikamentöse Behandlung resistent (widerstandsfähig) sind. Besondere Probleme bereiten Multiresistenzen: Erreger, die gegen mehrere Wirkstoffe resistent sind. In Deutschland betrafen Multiresistenzen 1998 allerdings nur etwas über ein Prozent der Neuerkrankungen.

Ursache und Vorbeugung

Tuberkelbazillen werden durch Absonderungen der Atemwegsschleimhäute (Sputum) übertragen. Dies geschieht entweder durch Tröpfcheninfektion oder in seltenen Fällen über Ausscheidungen oder Nahrungsmittel. Im Gegensatz zu anderen Infektionskrankheiten lässt sich für Tuberkulose keine bestimmte Inkubationszeit (Zeitspanne zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit) feststellen. Eine einmalige Tuberkuloseinfektion verleiht keine bleibende Immunität gegen die Erkrankung. Vielmehr bleiben die Bazillen lange Zeit latent (unerkannt) im Körper, bis eine Schwächung des Immunsystems ihnen die Möglichkeit zur Vermehrung bietet. Dadurch treten schließlich Krankheitszeichen auf. Zwar trägt ein großer Teil der Bevölkerung Tuberkelbazillen in sich, doch nur bei einem verhältnismäßig kleinen Anteil kommt die Krankheit tatsächlich zum Ausbruch.

Am häufigsten tritt Tuberkulose in überbevölkerten und armen Gebieten auf. In einigen Ländern Asiens (hier gab es 1998 über die Hälfte aller Tuberkulosepatienten), Afrikas und Südamerikas beträgt die Häufigkeit mehrere hundert Fälle pro 100 000 Einwohner und ist damit zehnmal höher als beispielsweise in den USA. In den letzten Jahren mehrten sich jedoch in einigen Städten der USA, wie z. B. New York, die Tuberkulosefälle wieder. Besonders betroffen sind auch einige Staaten Osteuropas: So litten 1995 in Russland 66 von 100 000 Einwohnern an Tuberkulose.

Erkennung, Diagnose und Behandlung

Eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbes ermöglicht die Früherkennung von Lungentuberkulose. Auf dem Röntgenschirm lassen sich zwar Lungenschatten erkennen, zur genaueren Diagnose sind dann allerdings weitere Untersuchungen erforderlich. Beim Tuberkulintest wird aus Kulturen von Tuberkelbakterien eine Flüssigkeit gewonnen, welche die Stoffwechsel- und Zerfallsprodukte der Bazillen enthält. Diese werden dann mit einem Pflaster auf die Haut der Testperson aufgebracht. Zeigt sich eine typische Hautreaktion (Entzündung, Blasenbildung oder Nekrose) deutet dies auf eine aktive oder inaktive Tuberkulose hin. Eine aktive Erkrankung wird durch den Nachweis von Tuberkelbazillen im Sputum (Auswurf) festgestellt.

Im Frühstadium der Erkrankung sind häufig keine Symptome zu erkennen. Allen Tuberkuloseerkrankungen sind im fortgeschrittenen Stadium folgende Krankheitszeichen gemeinsam: Fieber, Mattigkeit, Nachtschweiß, Appetitmangel und Gewichtsabnahme. Bei Lungentuberkulose treten außerdem Atemwegsstörungen wie Husten, Brustschmerzen und blutiger Auswurf auf. Zur anfänglichen Behandlung ist häufig ein stationärer Krankenhausaufenthalt erforderlich. Sobald die Krankheit jedoch unter Kontrolle gebracht wurde, kann der Patient meist wieder seiner normalen Tätigkeit nachgehen. Die vollständige Behandlung erstreckt sich im Allgemeinen auf einen Zeitraum von sechs Monaten bis zu zwei Jahren.

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